August Becker (1848-1895), geboren in Wegeleben bei Halberstadt, eignete sich
auf dem Hof seines Vaters Kenntnisse über die Landwirtschaft an. Im Jahre 1877 bewarb
er sich nach der Schließung der Landwirtschaftlichen Akademie in Eldena
um
die Pachtung der Greifswalder Universitätsgüter Eldena und Koitenhagen.
Becker bekam den Zuschlag für Eldena und Koitenhagen ab Juni (Johanni) 1877.
Mit einem Tross, der aus Maschinen, Ackerwagen und Vieh bestand, zog Becker im
gleichen Jahr von Wegeleben nach Eldena. Mit ihm fuhren seine Mutter, seine Frau
und seine kleine Tochter sowie Arbeiter seines ehemaligen Hofes in Wegeleben.
Aus der mit nach Eldena gekommenen Familie Wehrstedt stammt der Eldenaer Franz
Wehrstedt, der 1933 von einem SA-Mann ermordet worden war. Nach ihm ist eine Straße
in Eldena benannt. „August Becker, in seiner Heimat, der Magdeburger Börde, an
intensivste Wirtschaftsweise gewöhnt, fand in Vorpommern eine höchst extensive
Landbewirtschaftung vor. Der Acker lag meistens in sieben Schlägen, von denen
nur vier mit Ackerfrüchten bestellt waren; die übrigen wurden als Kleeschlag
oder Weide genutzt. Mineraldünger, Drilltechnik und Hackkultur, Tiefpflügen und
Hackfruchtbau waren unbekannt. Das Inventar war primitiv. Es bestand in der
Hauptsache aus hölzernen Pflügen und hölzernen Eggen. Maschinen waren fast ganz
unbekannt.“ (Klaus Garcke:
„Bekannte Persönlichkeiten aus Neu Boltenhagen“) Becker übertrug sukzessive die
aus seiner Zeit in der Magdeburger Börde gewohnten Methoden auf die in Pommern
vorgefundenen Verhältnisse und intensivierte so die hiesige die Landwirtschaft.
Im Jahre 1878 pachtete er von der Universität auch das Gut Ladebow, im Jahre
1881 das Gut Neuendorf. 1883 kaufte er das Rittergut Rappenhagen und 1889 das
Rittergut in Boltenhagen. Sein von
Eldena aus verwalteter Betrieb (alle Betriebe er verfügten über eine eigene
Telefonanlage) bestand nun aus einer Fläche von 3000 ha. Boltenhagen,
Rappenhagen und Neuendorf waren mit Eldena durch die Kleinbahn
Greifswald-Wolgast verbunden, durch die der Güterverkehr des Betriebes
abgewickelt wurde. Ladebow band Becker an Eldena durch eine Feldbahn an, die auf
einer Fähre über den Ryck geführt wurde.
"Die Brauerei auf dem
Gut in Eldena hatte Becker sofort nach der Pachtübernahme erheblich vergrößert.
Zur Verwertung der Rüben- und Zichorienwurzeln baute er 1878 in Eldena eine
Rüben- und Zichoriendarre und 1885 eine große Kartoffelbrennerei. In Boltenhagen
wurde eine Bockwindmühle, dort und in Eldena auch eine Dampfmolkerei
unterhalten. Becker beabsichtigte, in Eldena auch eine Zuckerfabrik anzulegen.
Das Projekt zerschlug sich aber mangels ausreichenden Wassers, und als es ihm
auch nicht gelang, seinen Plan in Greifswald durchzusetzen, gründete er 1891
zusammen mit anderen Interessenten die Zuckerfabrik Stralsund GmbH, an
deren Kapital er sich zu einem Viertel beteiligte. Von den zwei Milchviehherden
des Betriebs stand die größere mit 150 Kühen in Boltenhagen.“ Während die
Beckersche Art des Wirtschaftens anfangs sehr skeptisch betrachtet wurde,
galt sie bei vielen später als beispielhaft. Andere größere Betriebe
nahmen ebenfalls den Zuckerrübenanbau auf, worauf neue Zuckerfabriken
entstanden. „Seine großen Verdienste um die Landwirtschaft im nördlichen
Vorpommern anerkennend, beriefen ihn 1884 der Verein für landwirtschaftliche
Interessen in Anklam und 1885 der Verein bäuerlicher und kleiner Wirte in
Greifswald zum Ehrenmitglied. Die Preußische Regierung verlieh ihm 1884
den Titel eines Oberamtmanns, 1889 den des Amtsrats.“ (ebenda) Beckers
soziale Denkweise widerspiegelt sich auch im Bau des heute noch heute
existierenden Witwenheims für hilfsbedürftige Witwen und Eheleute in Eldena im
Jahre 1891, das er 1893 der
Gemeinde Eldena schenkte und im Wohnungsbau für die in seinen Betrieben
Beschäftigten. Durch einen Sturz brach sich Becker ein Bein. Er starb kurze Zeit
später – noch nicht einmal 47 Jahre alt - an den Folgen einer Lungenentzündung.
Vergleiche: K.Garcke: "Bekannte Persönlichkeiten aus Neu Boltenhagen".